Die irrste Begründung für paid content

Nun gibt es aus guten Gründen eine heftige Debatte über paid content und die Bezahlmodelle für Medien im Internet. Und als Journalist ist mir klar, dass Journalismus finanziert werden muss.

Ob sich allerdings der Geschäftsführer des Braunschweiger Zeitungsverlags mit seiner Begründung für die Preisgestaltung eines Online-Abonnements nicht ein bisschen lächerlich macht? Harald Wahls sagte laut dem Branchendienst kress report:

Mittelfristig sollen jedoch alle Vertriebsformen der Zeitung den gleichen Preis haben. „Es spielt keine Rolle, ob ich die Zeitung gedruckt, als E‐Paper oder im Internet lese. Gezahlt wird in erster Linie für den Inhalt, nicht für die Darreichungsform“, so Harald Wahls. „Dafür, dass wir das E‐Paper oder unsere Nachrichtenportale nicht drucken und zum Abonnenten bringen müssen, haben wir die Produkte ja bewusst mit einem 24-Stunden-Newsticker angereichert.“

Ja nee, is klar. Wir leiten einfach den (ohnehin bezahlten) dpa-Ticker auf unsere Homepage um und erklären den Lesern, das sei der gleiche Wert wie Drucken und Ausliefern von tonnenweise Papier. Ich glaube kaum, dass der Herr Geschäftsführer für den bewussten 24-Stunden-Newsticker Personal ein- oder auch nur bereitstellt.

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Über wiegold

Thomas Wiegold
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12 Antworten zu Die irrste Begründung für paid content

  1. Peter schreibt:

    Lieber Herr Wiegold, ein wenig mehr Recherche hätte nicht geschadet, ehe Sie sich hier echauffieren. Der Newsticker, von dem Harald Wahls sprach, enthält in der E-Paper-App der Braunschweiger Zeitung (anders als der Ticker auf der Startseite von braunschweiger-zeitung.de) nämlich lediglich REGIONALE Meldungen, also entweder von den BZ-Redakteuren selbst geschriebene Meldungen oder solche mit regionalem Bezug, die die Online-Redaktion aus dem Angebot der Nachrichtenagenturen heraussucht und eigenhändig in den Ticker stellt.

    Diese selbst geschriebenen oder ausgewählten Meldungen fließen übrigens auch in den Ticker auf braunschweiger-zeitung.de ein. Der Ticker ist also in keinem Fall ein reines standardisiertes dpa-Angebot, sondern hat einen deutlichen regionalen Anstrich.

    Welche Tickermeldungen aus der Region stammen und von der Redaktion handverlesen oder selbst geschrieben wurden, können Sie übrigens hier sehen: http://www.braunschweiger-zeitung.de/ticker_region/

  2. wiegold schreibt:

    I stand corrected – teilweise. Beim Blick auf den verlinkten Regionalticker kann ich keinen 24-Stunden-Dienst erkennen, und auch die Meldungen in den Randstunden – etwa gegen 7 Uhr am Morgen – sind nach dem, was ich da sehe, Terminhinweise. die vermutlich auf zeitversetztes Senden gestellt wurden. Die Frage bleibt also: ein echter 24-Stunden-Newsticker mit redaktioneller Betreuung? Wenn das wirklich so wäre: Hut ab. Aber so kann ich das nicht erkennen, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

  3. Peter schreibt:

    Nein, natürlich ist die Online-Redaktion der Braunschweiger Zeitung (ebenso wenig wie die Print-Redaktionen, die ja auch tickern) nicht 24 Stunden lang besetzt – dazu ist sie auch zu klein. In den Nachtstunden läuft daher über den regionalen Ticker in aller Regel nichts ein, im gemischten Ticker (also dem mit den überregionalen und regionalen Meldungen auf der Startseite braunschweiger-zeitung.de) laufen dann nur die überregionalen dpa-Meldungen ein. Insofern hat sich Harald Wahls ungeschickt ausgedrückt. Den wirklichen regionalen Mehrwert im Ticker hat man eben nur dann, wenn die Online-Redaktion und die Print-Redaktionen besetzt sind. Das sind aber unter der Woche immerhin 16 Stunden pro Tag, an den Wochenenden etwas weniger Stunden pro Tag. Und mal ehrlich: Wie viele Menschen sind noch/schon um 3 Uhr wach, um regionale Tickermeldungen zu lesen?

  4. Peter schreibt:

    Nachtrag zu den Terminhinweisen in den Randstunden: So behelfen sich die chronisch unterbesetzten Lokalredaktionen eben, um auch dem Frühleser noch irgendeinen aktuellen Content im Ticker anbieten zu können – dann wird eben etwas am Vorabend geschrieben und auf morgens vordatiert. Willkommen in der Realität der deutschen Regionalzeitungen der Jahreswende 2012/2013. Allerdings setzt die Online-Redaktion zu ihrem Dienstbeginn um 7 Uhr (unter der Woche) auch immer noch Tickermeldungen mit regionalem Bezug online – sei es aus eigener Recherche oder aus dem Angebot der Nachrichtenagenturen.

    • wiegold schreibt:

      Eben, so behelfen sich die chronisch unterbesetzten Lokalredaktionen. Der Geschäftsführer erweckt dagegen den Eindruck, als würde ein 24-Stunden-Ticker als Mehrwert geschaffen, der es rechtfertigt, dass die elektronische Ausgabe trotz entfallender Druck- und Vertriebskosten ebenso viel kosten muss wie die gedruckte und ausgelieferte. Die Redaktionen sollen es dann richten, natürlich ohne zusätzliches Personal, und den Anschein eines regionalen 24-Stunden-Newstickers generieren… Das ist ja die üble Masche.
      Und was die Frage nach morgens um 3 Uhr angeht: Ich verweise nur mal auf die Sprengung einer Weltkrieg-2-Bombe im Münchner Stadtteil Schwabing, spät am Abend. So was will ich als Anwohner auf meiner regionalen Zeitungsseite sehen – wenn ich potentiell betroffen bin und das Blatt mit seinem 24-Stunden-Newsticker wirbt…

      • Peter schreibt:

        Der Schwabing-Fall ist aber eher der Ausnahmefall – und natürlich ist in solchen Ausnahmefällen auch bei der Braunschweiger Zeitung geregelt, dass dann auch nachts aktueller regionaler Content online geht. Es gibt schließlich Rufbereitschaften.

        Aber eben weil Sie ja sagen „Die Redaktionen sollen es dann richten, natürlich ohne zusätzliches Personal“: Solche Kritik wie die von Ihnen vorgebrachte bleibt dann eben auch an den Redaktionen hängen. Die eigentlichen Adressaten, nämlich die Verleger, schalten doch ihre Ohren auf Durchzug. Und dann müssen eben die Redakteure ausbaden, was oben an Sparplänen beschlossen wurde – auch die daraus entstehende Kritik von Lesern. Oder meinen Sie, Herr Wahls liest solche Kommentare und Blog-Einträge? Der bekommt davon bestenfalls einen Bruchteil mit.

        Aber mal nebenbei: Auch in personell besser aufgestellten Zeiten hätte man wahrscheinlich kaum erwarten können, dass eine mittelgroße deutsche Regionalzeitung eine 24-Stunden-Belieferung mit regionalen Online-Nachrichten sicherstellt. Wir sprechen hier schließlich nicht von Spiegel Online, das sich in puncto personeller Besetzung in komplett anderen Sphären bewegt.

        Viel wichtiger finde ich, dass wenigstens in den Kernzeiten eine gewisse Qualität der Online- (wie auch Print-)Berichterstattung sichergestellt wird. Da tun sich die viel größeren Abgründe auf, wenn Redaktionen und somit auch Spielräume für Sorgfalt und Rechercheaufwand kleingespart werden.

  5. Peter schreibt:

    Deshalb: Wenn Sie wollen, dass Leute wie Herr Wahls auch nur ansatzweise Notiz von Ihrer Kritik nehmen, sollten Sie ihm persönlich schreiben. Das wird zwar wohl auch nichts ändern, aber wenigstens kommt die Kritik dann wirklich bei demjenigen an, den sie betrifft. Durch solche öffentlichen Einträge aber stehen letztlich die Redakteure als die Dummen da, weil es ja auch beliebter Volkssport ist, dass auf kritische Einträge im Internet gleich Antworten wie „Diese unfähigen Journalisten!“ und „Für deren lausige Arbeit soll ich auch noch Geld bezahlen?“ kommen. Sie sollten ja aus eigener Erfahrung wissen, lieber Herr Wiegold, wie schlecht der Ruf unseres Berufsstandes ist…

    Letzter Nachtrag: Nicht nur die Print-Redaktionen werden kleingespart, sondern neuerdings auch die (einst als wichtiges Zukunftsfeld gepriesenen) Online-Redaktion der BZ. Angeblich sollen für die beiden dort zum Jahreswechsel ausgeschiedenen oder nicht weiterbeschäftigten Redakteure künftig Volontäre einspringen. DAS sollte einem zusätzlich zu denken geben.

    • wiegold schreibt:

      Mir scheint, wir sind uns weitgehend einig…. Und die vollmundige Werbung mit dem 24-Stunden-Newsticker hat der Geschäftsführer verbreitet, also ging mein Eintrag um den. Soll ich ihn hier nicht erwähnen, nur weil er mein kleines Privatblog nicht liest? (Was ich im übrigen auch nicht erwarten würde.)

      • Peter schreibt:

        Natürlich sollen Sie ihn erwähnen (auch wenn ich mich frage, was dann der Zweck dieses Eintrags sein soll, wenn Sie ohnehin annehmen, dass Herr Wahls Ihren Blog nicht liest). Ich wollte lediglich (aus eigener leidlicher Erfahrung) darauf hinweisen, dass solche Blog-Einträge, Kommentare etc. auch gerne mal – teilweise absichtlich – von Usern als Einladung zur allgemeinen Kulturkritik auch am Journalismus an sich missverstanden werden. Und ich musste als Journalist schon zu oft den Kopf nicht nur für eigene Fehler, sondern auch für Fehlentscheidungen meiner Verleger hinhalten.

  6. wiegold schreibt:

    Hm.
    (auch wenn ich mich frage, was dann der Zweck dieses Eintrags sein soll, wenn Sie ohnehin annehmen, dass Herr Wahls Ihren Blog nicht liest).

    … vielleicht ein ähnlicher Zweck wie die zahllosen Kommentare über die Kanzlerin in Regionalzeitungen, die die Kanzlerin auch niemals lesen wird? (SCNR)

  7. wiegold schreibt:

    Und noch ein Nachtrag zu der Bemerkung

    Oder meinen Sie, Herr Wahls liest solche Kommentare und Blog-Einträge? Der bekommt davon bestenfalls einen Bruchteil mit.

    In den Referern erscheint nunmehr Buddenbohm – Onlineservices – Monitoring für die WAZ-Mediengruppe. Dann wird Herr Wahls das bestimmt auch auf den Tisch kriegen. Und diesen Blogeintrag vermutlich auch.

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