Medienkonvergenz? War was?

Ich reibe mir ein wenig die Augen, wenn ich die Sperrfrist-Anweisungen des Bundespresseamtes zur Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin lese:

BITTE DIE SPERRFRISTEN BEACHTEN! Es gilt das gesprochene Wort!

Zeitungen:
Frei für Samstagsausgaben der Tageszeitungen

Agenturen/ Online-Redaktionen:
Sperrfrist: 31. Dezember 2011, 00.00 Uhr

Hörfunk:
Zitate frei ab 31. Dezember 2011, 00.00 Uhr
O-Töne im Ausschnitt frei ab 31. Dezember 2011, 12.00 Uhr
Ansprache in voller Länge frei ab 31. Dezember 2011, 18.00 Uhr

Fernsehen:
Ausschnitte bis 2 Minuten Sendedauer für Nachrichtensendungen
frei ab 31. Dezember 2011, 13.00 Uhr
Ansprache in voller Länge frei ab 31. Dezember 2011, 18.00 Uhr

Also, Kollegen. Um euch das mal zu erklären:

Für Online-Redaktionen gilt die Sperrfrist 31. Dezember 00.00 Uhr. Da kann dann eine Webseite den kompletten Text der Ansprache veröffentlichen.

Allerdings, und da ist dieses Internet tückisch, kann man online nicht nur Texte veröffentlichen. Sondern auch Audio und Video, also das, was man im herkömmlichen Sprachgebrauch eher als Radio und Fernsehen bezeichnen würde.

Ins Internet könnte ich also ebenfalls am 31. Dezember um 00.00 Uhr den kompletten O-Ton der Ansprache stellen. Die Radiokollegen dürfen das erst um 12 Uhr mit Ausschnitten, ab 18 Uhr in voller Länge.

Im Internet könnte ich zudem auf meiner (journalistischen) Webseite das Video am 31. Dezember um 00.00 Uhr komplett einstellen. Die Kollegen vom Fernsehen dürfen erst ab  13 Uhr Ausschnitte bis zwei Minuten senden, ebenfalls ab 18 Uhr in voller Länge.

Mal ganz davon abgesehen, dass ich den ganzen Wortlaut schon am 31. Dezember morgens in meiner Zeitung nachlesen kann.

Irgendwie passt das doch nicht. Oder?

Nachtrag: der ZDF-Kollege Nick Leifert hat das auch so gesehen und kurz nach Mitternacht Auszüge der Rede getwittert:

View the story „Merkels Neujahrsansprache 2011 auf Twitter“ on Storify]

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Thomas Wiegold
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