So much talent wasted…

… oder: Warum Nachrichtenagenturen ihre deutschen Leser schlechter informieren.

Im internationalen Dienst der Nachrichtenagentur Reuters, der dankenswerterweise im Internet einsehbar ist (wenn auch nur in Teilen und zeitlich verzögert), fand ich vor ein paar Tagen eine sehr lesenswerte Hintergrundgeschichte aus Libyen. The secret plan to take Tripoli, mit dem gleich packenden Einstiegssatz: Colonel Muammar Gaddafi’s regime was delivered by a caterer, on a memory stick.

Dieser sehr lange (4.400 Wörter, 26.500 Zeichen) Artikel wird trotz der lesenswerten Hintergrundinformationen so nie in deutschen Medien erscheinen. Mehr noch: Es dürfte mit allergrößter Wahrscheinlichkeit noch nicht mal bei Reuters selbst eine deutsche Fassung dieses ausführlichen englischen Berichts erschienen sein (exakt nachprüfen kann ich das nicht, weil ich keinen direkten Zugang zum Reuters-Dienst habe).

Und das ist kein Einzelfall. In meinen 18 Jahren als Redakteur bei zwei großen deutschen Nachrichtenagenturen (erst bei dpa, dann beim deutschen Dienst der Agentur Associated Press, den es damals noch als eigenständiges Unternehmen gab) und später in meinen elf Jahren als Agentur-Kunde (während meiner Korrespondententätigkeit beim Focus) habe ich das immer wieder feststellen müssen: Die oft sehr ausführlichen Geschichten, die die internationalen Dienste der großen internationalen Agenturen liefern, finden ihren Weg auf den deutschen Nachrichtenmarkt entweder nur in sehr gekürzter Form – oder auch gar nicht.

Das hat natürlich Gründe, die der traditionellen Entwicklung der deutschen Medienlandschaft geschuldet sind. Die großen überregionalen Zeitungen wie die Süddeutsche Zeitung oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung haben auf ihrer Seite 3 oft lange Artikel, die Hintergrundinformationen liefern (wenn vielleicht auch nicht ganz so lang wie das oben erwähnte Reuters-Stück). Doch das sind ausschließlich (und verständlicherweise) die Berichte eigener Korrespondenten, niemals Berichte von Nachrichtenagenturen.

Die kleineren Regionalzeitungen dagegen, die sich in ihrer Berichterstattung sehr stark auf die Agenturen stützen (um es euphemistisch zu formulieren), haben in der Regel nicht den Platz für solche internationalen/politischen Berichte. 4.400 Wörter? Ein Zehntel davon muss reichen.

Daraus haben die deutschen Nachrichtenagenturen natürlich ihre Konsequenz gezogen. In den deutschen Diensten von Reuters und Agence France Presse (AFP) und bei der Agentur DAPD, die inzwischen die ausschließlichen Rechte an der Verbreitung des internationalen Dienstes von Associated Press in Deutschland hat, sind Hintergrundberichte in der Länge ebenfalls undenkbar – weil sie von den Kunden, also vor allem den deutschen Zeitungen, nicht gewünscht sind.

Die Konsequenzen sind nicht besonders schön. Der Tripolis-Hintergrundbericht, um es an diesem Beispiel durchzubuchstabieren, wird von Reuters kaum in voller Länge ins Deutsche übertragen werden. Weil aber niemand anderes als der deutsche Reuters-Dienst die Rechte an diesem Material besitzt, kann auch niemand anderes aus dem englischen Bericht eine deutsche Fassung machen, die in deutschen Medien erscheinen könnte. Das gleiche gilt für die anderen Agenturen genauso.

Nun stammen diese ganzen Vorgehensweisen aus der Zeit, in der der begrenzte Papier-Platz einer Zeitung (und bisweilen auch: die begrenzte Sendezeit im Rundfunk) das Maß aller Dinge war.

Mit dem Internet hat sich das, zumindest in der Theorie, grundlegend geändert: Natürlich könnte eine Nachrichten-Webseite eine deutsche Fassung dieses Reuters-Artikels in voller Länge in ihr Internet-Angebot aufnehmen, der Platz ist nicht begrenzt. Und der Bericht würde, vermute ich, sogar komplett gelesen.

Doch zum einen scheinen die Kunden, die die Nachrichten-Webseiten betreiben – hier wieder in erster Linie: die deutschen Zeitungen – daran gar nicht interessiert. Und zum anderen scheint eine Haltung vorzuherrschen, die Thomas Knüwer als Chefredakteur der deutschen Ausgabe des US-Magazins Wired in anderem Zusammenhang so beschrieben hat: Die langen Texte der US-Ausgabe waren mit ihrer Detailtiefe und den für den amerikanischen Stil typischen Redundanzen in übersetzter Form für ein deutsches Publikum so nicht brauchbar.

Detailtiefe als Problem? In der Tat, vor allem die US-Kollegen neigen in ihrer Berichten zur sehr detaillierten Darstellung, bisweilen aus narrativen Gründen (was übrigens die Deutschen in sehr detaillierten Spiegel-Berichten offensichtlich gar nicht so schlecht finden). Und eine englische/amerikanische Geschichte muss nicht nur übersetzt, sondern aufgrund der unterschiedlichen Erzählweise übertragen oder fast neu geschrieben werden. Doch muss die Folge sein, dass die ausführlichen Informationen dem geneigten deutschen Publikum am besten gar nicht erst zur Kenntnis gegeben werden?

Ich kann dank der Internetpräsenz vor allem von Reuters und Associated Press in vielen Fällen nachverfolgen, was diese Agenturen international melden – und vergleichen, was sich davon in deutschen Medien, gedruckt, im Rundfunk oder im Internet, niederschlägt. Und das ist bisweilen in der Tat niederschlagend. Nun fällt es mir auch recht leicht, die englischen Texte im Original zu lesen – vielen deutschen Lesern nicht (was ja nichts Schlimmes ist).

Das Schlimme ist aber: auf die Nachrichten wie ein internationales Publikum darf der deutsche Leser gar nicht erst hoffen. Er wird halt schlechter informiert.

(Disclosure: Ich habe für Knüwers Wired-Ausgabe einen Beitrag geschrieben und mit ihm keine grundsätzlichen Meinungsunterschiede – an diesem Punkt schon.)

 

 

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Über wiegold

Thomas Wiegold
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13 Antworten zu So much talent wasted…

  1. Janosch schreibt:

    Ganz persönlich glaube ich, dass es wenige gibt, die den Artikel auf deutsch lesen würden, die ihn nicht auch im Englischen lesen könnten/würden. Diejenigen, die die deutsche Sprache bevorzugen würden, wären m.E. ohnehin abgeschreckt einen so langen Beitrag am Computer zu lesen. Da mag Bewegung drin sein, insbesondere durch Tablet PCs, derzeit glaube ich aber, dass dies eine recht kleine Zielgruppe ist.

  2. wiegold schreibt:

    Dieser Reuters-Artikel ist natürlich in dieser Länge ein Extrembeispiel.

    Aber ich habe in meiner Zeit als Agentur-Redakteur genügend Geschichten erlebt, die von 1.500 Wörtern auf 450 Wörter eingedampft werden mussten, weil das als Obergrenze galt… und mir scheint, immer noch gilt. 1.500 Wörter sind glaube ich auch am Bildschirm keine echte Hürde.

    • Janosch schreibt:

      Das ist ein guter Punkt und ich stimme vollkommen zu. Das ist ja im Grunde genau der „Long Tail“ Aspekt. Für die Agenturen (ich bin da absoluter Laie) ist die Frage ja dann sicherlich wie viel Mehreinnahmen kommen auf wie viel Kosten durch die Publikation. Bei einem 4400 Wörter Text ist das natürlich ein ziemlicher Kostenfaktor, bei kürzeren Stücken aber vermutlich überschaubar. In dem Fall würde ich ausdrücklich zustimmen, dass man sowas als Online-Zusatzangebot sicherlich einfach mitnehmen kann ohne da viel Risiken mit zu verbinden.

  3. Jens P. Paul schreibt:

    Ein wirklich guter Artikel kann gar nicht lang genug sein. Ich staune heute oft bei der Lektüre 20 oder 30 Jahre alter „Spiegel“-Geschichten, die einen Gegenstand absolut erschöpfend beleuchteten. Offenbar herrschte damals noch der Ehrgeiz, dem Leser das Gefühl zu geben, daß ihm nach Lektüre absolut niemand mehr, nicht einmal ein Insider, etwas würde vormachen können zu diesem Thema. Heute undenkbar. Im Gegenteil: „Der Spiegel“ bringt es inzwischen fertig, zwei Seiten ohne jeglichen Neuigkeits- oder Erkenntniswert zu bedrucken, etwa zur längst tausendfach beklagten Talkshow-Inflation. Schlußsatz und Quintessenz: „‚Wir haben‘, sagt Christiansen, ‚zu viel vom Gleichen.'“ Potzblitz! Darauf wären wir alleine nie gekommen.

  4. wiegold schreibt:

    Übrigens, gerade heute wieder eine Geschichte, die ich auch gerne auf Deutsch lesen würde…

    In Afghanistan’s Panjshir, disquiet over Taliban reconciliation

  5. Frank Pohl schreibt:

    Ich bin Redaktionsproduktekonsument.
    Und ich bin eigentlich recht einfach gestrickt. 08/15 sozusagen.
    Und ich finde es schön wenn ein (ehemaliger) Redakteur einmal selbst die Zunft wachzurütteln versucht.
    Ich erwarte von Kurzmeldungen keine großartige redaktionelle Qualität (mal vorausgesetzt dass die prüfen von Quellen und das kürzen von langen Texten auch von angelernten Schreiberlingen durchgeführt werden kann). Dementsprechend bezahle ich diese Texte mit den Werbeeinblendungen, die ich über mich ergehen lasse wenn ich die Webpräsenz einer Zeitung/eines Magazins lese.
    Wenn mich aber etwas interessiert, dann bezahle ich gerne für den redaktionell aufgearbeiteten Text. Und das war schon so, als ein Spiegel-Artikel doppelt so lang war wie heute.
    Die austauschbaren Kurzartikel dienen mir zur groben Einordnung (oder Untehrlatung).
    Die echten redaktionellen Produkte, die dann ein paar tausend Zeichen haben müssen, sind jene die mein Weltbild maßgeblich beeinflussen.
    Übrigens: Mein Sohn orientiert sich inzwischen anhand der paar Twitter Zeilen grob und liest gegebenfalls dann auch echte Artikel. Die üblichen verkürzten Pressetexte lässt er dabei weitestgehend aus.
    Also Danke Herr Wiegold für den Hinweis.
    Mögen die Verleger in Deutschland dies lesen und verstehen und von ihren Redakteuren die entsprechenden Leistungen abrufen.
    Danke!

    Grüße
    Frank Pohl

  6. Markus schreibt:

    Natürlich sind die deutschen Tageszeitungen in dem Sinne Herr des Verfahrens, dass sie darüber entscheiden, wie viel Platz sie welcher Geschichte in ihrem jeweiligen Blatt einräumen. Die Ursache, dass die Texte aber so kurz sind, dass dort Hintergrundberichterstattung kaum noch so genannt werden kann, hat aber – glaube ich nach 15 Jahren bei Tageszeitungen – meist – in verantwortlicher Position – ganz besondere Gründe. Erinnert sich noch jemand daran, wie die Zeitungskollegen-Schar in den 80er und 90er Jahren über die unglaublich langen Textstrecken in Wochenzeitungen wie der ZEIT gelästert hat? Dabei glaubte diese Expertentruppe, und ich zähle mich hier in durchaus negativ gemeinter Weise dazu, dass der deutsche Leser als solcher keinen Artikel mehr liest, der länger als 80 Druckzeilen lang ist. „Die Zeit des Lesers ist wertvoll“, war ein Schlagwort. „Die Zeit beim Frühstück ist immer kürzer, in der die Zeitung genutzt wird“, war die Ergänzung. Und die wissenschaftliche Untermauerung wurde von der so genannten Leserforschung geliefert, die als Dogma ausgab (und ausgibt): Die meisten Leser steigen nach Überschrift (plus Dach- oder Unterzeile) wieder aus, weitere nach dem Vorspann. Spätestens nach 40 Zeilen ist dann Schluss. Die Reaktion in den Chefredaktionen war folgerichtig. Anfang des neuen Jahrtausends war die Durchschnittslänge der Artikel noch weiter geschrumpft. Das hatte mit dem Platz im Blatt und dem Papierpreis nur sehr wenig zu tun.
    Ich glaube aber, dass es dennoch ein Publikum für eine ausführliche Hintergrundberichterstattung und die klassische Reportage gibt – und wer könnte diese Darstellungsformen an den Mann und an die Frau bringen, wenn nicht das Internet?

  7. zeilenknecht schreibt:

    Wären solche Beiträge nicht ideale Test-Produkte für Bezahlmodelle im Internet? Eine IMHO gar nicht so kleine Gruppe Interessierter gibt es ganz sicher. Sie ist aber wahrscheinlich zu inhomogen, als dass sie sich alle zusammen in dem einen Blatt wiederfänden, dass sich vielleicht darauf einließe, so lange Beiträge zu drucken. Es sind ja nicht nur alte Zausel, sondern nach meiner Beobachtung auch eine ganze Menge junger Leute, die (wieder) Substanz wollen (es ist ja ein Vorurteil, dass in der Generation alle nur ihre Partyerlebnisse via FB austauschen oder das nie über haben).

    Wer sowas anbietet, würde schon keine ungedeckten Teaser schreiben, sondern 30 Zeilen substantielle Mikrozusammenfassung, was einen in dem zu bezahlenden Beitrag erwartet. Und dann bezahlte man eben für ein (hoffentlich/wahrscheinlich) herausragend tiefgründiges Stück, so wie ja für viele auch in ZEIT oder SZ zwei, drei uneitle Superstücke den Preis des ganzen Blattes wert sind.
    Wenn der Vertriebsweg technisch nicht zu kompliziert und teuer wird, hätte die Agentur ein paar Zusatzeinnahmen für den Beitrag.

    An geduldige Printleser in großer Zahl glaube ich aber nicht mehr so schnell. Selbst in der schreibenden Zunft gilt es ja nicht so selten als mühsam, eine Pressemitteilung von mehr als einer Seite durchzuarbeiten und als „investigativ“, zwei- oder gar dreistellige Seitenzahlen zu bewältigen. Oder ist das nur ein böses Vorurteil?

  8. wiegold schreibt:

    @Zeilenknecht

    Das ist zwar eine gute Idee, aber es gibt – schon weit vor Kosten- und Wirtschaftlichkeitsüberlegungen – einen grundsätzlichen Haken: Ich wüsste nicht, dass die internationalen Agenturen auch nur in einem Fall einem Kunden die Vermarktung von Informationen aus ihrem internationalen Dienst in deutscher Sprache auf dem deutschen Markt gestatten. Das ist eben das exklusive Vorrecht der deutschen Dienste dieser Agenturen (bzw. im Fall AP das Vorrecht von DAPD).

    Das geht so weit, wie ich mich aus meiner Redakteurs- und Agenturkundenzeit erinnere, dass ich zwar Kunde des deutschen Dienstes einer Agentur war – aber zusätzliches Material des internationalen Dienstes (von dem ich irgendwie Kenntnis hatte….) nicht verwenden durfte.

  9. zeilenknecht schreibt:

    Ich dachte ja auch, dass die Agentur das selber kostenpflichtig zweitverwerten könnte. So eine Geschichte wie diese kurz nach dem Erscheinen kostenlos ins Netz zu stellen, ist ja, hmm, generös… Falls die Agentur an Endkunden verkaufen dürfte, wäre es ein interessantes Experiment mehr, wieviel Leser sich das für Geld gönnen würden (und bei Erfolg ein Wink mit dem Zaunpfahl an deutsche keepitshortandsimple-Fans in Redaktionen, dass sie ein vielleicht gar nicht so kleines Publikum vernachlässigen). Aber wenn die Agenturen es eh´ nicht in D vermarkten wollen, müssen wir uns ja nicht ihren Kopf zerbrechen 😉
    P.S.: Was SpiegelSternFocus zu einer eigenen Geschichte aus diesem Stoff wohl für ein Fanfarengetöse machen würden…

  10. Frieder schreibt:

    Frieder
    Detailtiefe als Problem? Die Frage der Redundanzien lässt Du aus. Und gerade die sind es, die Berichte in amerikanischer Agenturtradition für uns unleserlich machen. Das ist kulturell bedingt. Wir kennen nicht die Schreibe für den sprichwörtlichen „Kansas City milk man“, der Mann also, der noch nie vom z.B. Bosnienkrieg gehört hat, der aber beim ersten Lesen darüber eine Art Verständnisfolie geliefert bekommen MUSS!. Für die Amis ist das ebenso unerlässlicher wie gnadenloser Drill in ihren Uni-Kursen „Creative Writing“. Es gehört zum Verständnis von Demokratie.
    Donnerstag um 23:35

    Thomas Wiegold Frieder, ist schon klar. Dennoch ist die Redundanz nur die eine Hälfte, und ich schrieb ja auch, dass es mit einer Übersetzung nicht getan ist und einer Übertragung, ja fast einer Neufassung bedarf. Dennoch: in den Berichten steckt mehr drin, als die deutschen Leser hinterher zugemutet bekommen.
    Donnerstag um 23:51

    Frieder
    Ich hatte natürlich wieder vergessen, zu sagen, dass Du mit der Frage nach der Detailtiefe der Originale absolut richtig liegst. Und Deine Traute zu dem Beitrag hätte ich so nicht gehabt. Einfach gut! Aber nochmals zu Kansas City: Wir beide kommen aus einer ganz anderen Tradition: Unser Journalismus diente historisch den Geheimen Räten der Staatskanzleien. Die brauchten keine Hintergründe, weil sie die längst hatten. Die brauchten den letzten Dope, einige wenige Einordnungen genügten. Und so schreiben wir Europäer ja auch noch heute, obwohl es die Hofräte längst nicht mehr gibt… Was folgt? Unser Jungvolk versteht doch unser ganzes exklusivgeheiminfoaufgeladenes Geschreibsel nicht mehr – warum auch?
    Gestern um 01:09 ·

    [Um Verwirrung vorzubeugen: das war eine Facebook-Konversation zwischen Frieder und mir. TW]

  11. zeilenknecht schreibt:

    Ich bin skeptisch, ob die Mehrheit der Leser heute noch das „exklusivgeheiminfoaufgeladene Geschreibsel“ bekommt (Joffes Welterklärungen?). Selbst im Inlandsteil überwiegt doch entweder relativ knapp Nachrichtliches mit etwas Hintergrund oder das nur noch auf „Kosten für den 4-Pesonen-Haushalt“ oder Personen-Streit zugeschriebene Aufreger-Stück (FDP vs. CSU-Beschimpfungen auf 80 Zeilen ohne inhaltliches Argument). Ausland findet ja eh´ kaum noch statt.

    Die genannte „Verständnisfolie“ ist nach meinem Eindruck auch bei uns noch mehr als bisher nötig, so sehr es manchmal scmerzen dürfte. Für das richtige Maß bräuchte es eigentlich Bestandsaufnahmen über den Wissensstand in den jeweiligen Leserschaften. Gibt es über redaktionelles Bauchgefühl hinaus belastbare Untersuchungen, wieviel Prozent etwa mit den Begriffen Fraktion oder NATO überhaupt etwas anfangen können? Erst dann könnte sich eine Redaktion doch begründet für ihren Weg zwischen milk man und Geheimrat entscheiden (wobei der Geheimrat spätenstens beim Datenschutzstreit um „I-like-buttons“ zum Milchmann wird). Vielleicht würden dann sogar mehr Zeitungen bedauern, dass sie die Geschichte nicht als Grundlage für eine Doppelseite im Wochenendteil umarbeiten dürften.

    Dafür bräuchte es halt auch noch Übersetzer, die das Ausgangsmaterial verstehen. Wie berechtigt ist nach Ansicht der Wissenden hier der Spott über Berliner Politikjournalisten (Quelle vergessen, sorry): „Heute reißt kaum noch einer etwas aus dem Zusammenhang, weil kaum noch einer den Zusammenhang kennt?“ (der milk man wäre also schon als Korrespondent tätig)

  12. wiegold schreibt:

    @Zeilenknecht

    Pardon, war auf die erste Frage nicht eingegangen: Endkunden beliefern dürfen die Agenturen entweder auf Weisung ihrer Gesellschafter nicht (dpa) oder wollen es lieber nicht, um ihre Medienkunden nicht zu vergrätzen… Denn jedes Kreiskäseblatt schmückt sich doch mit den „Berichten“ aus aller Welt, wenn immer die ersten fünf Zeilen aktualisiert auf die – ohnehin grottig gestaltete – Webseite laufen…

    Tja, der Milkman als Korrespondent… Da sach‘ ich mal nix zu. Oder so viel: Wo Redaktionen früher drei Leute in Berlin hatten, muss man heute froh sein, wenn noch einer da sitzt. Wofür der selbst ja nichts kann…

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