Das Ende des Grauen

Keine Angst, ich bin der deutschen Grammatik schon noch mächtig. Es geht um das Ende eines langjährigen Begleiters, der ziemlich genau 32 Jahre lang in allen Brieftaschen und Geldbörsen immer mit mir reiste: Mein alter BRD-Führerschein, der graue Lappen, der mich schon am Mietwagen-Counter neben den ganzen jungschen Typen und ihrer Fahrerlaubnis im Scheckkartenformat zum alten Sack stempelte.

Fuehrerschein-1

Dieses wunderbare, waschmaschinenfeste (ausprobiert!) Dokument mit seinem Foto des Inhabers, das ich meinen Lesern schamhaft erspare, habe ich aufgegeben. Wo doch so viel Geschichte dran hängt. Nicht nur, dass das oben abgebildete Fahrerlaubnispapier ein Ersatz für die Erstschrift Kl. 4 war und später auf Kl. 3 erweitert wurde (wie es dazu kam, ist ’ne eigene Geschichte – ich dachte mir damals, wenn ich meine alten Mopedführerschein abgebe, bekomme ich gleich das schicke Dokument fürs Autofahren. Aber in deutscher Gründlichkeit erhielt ich dann natürlich eine neue Kl.4-Fahrerlaubnis, die erweitert wurde. Ordnung muss halt sein. Und deshalb ist das unten im Bild auch kein Säuferbalken!)), nein, ich glaube, es war nach meiner Erinnerung auch einer der ersten Führerscheine, die nicht mehr auf den Antrieb Verbrennungsmaschine beschränkt waren. Antrieb aller Art! Ich hätte damit Elektroautos fahren dürfen, vielleicht sogar mit Raketenantrieb oder Nuklearreaktor oder Brennstoffzelle oder was auch immer. Gab’s aber natürlich nicht.

Dafür habe ich diesen Führerschein bei Mietwagenfirmen (und gelegentlich Polizisten) auf allen Kontinenten vorgezeigt. Gab  nie ein Problem, auch wenn ich dem Foto des lockigen Jünglings immer weniger glich. Selbst beim Schnapskaufen im Südwesten der USA reichte die graue Pappe aus, dem Verkäufer klar zu machen, dass ich schon das legale Alter für die ganzen Spirituosen habe. Auch wenn er ein wenig irritiert auf diese Driving License schaute…

Und eigentlich, eigentlich wollte ich meinen Führerschein nie aufgeben. Sondern irgendwann in ein paar Jahrzehnten im Blitzlichtgewitter der Lokalpresse auf irgendeinem Landratsamt demonstrativ aus Altersgründen meine Fahrerlaubnis zurückgeben. Und ich war lange sicher, dass das auch klappen würde. Hatte uns Gesamtdeutschen doch ein Verkehrsminister, ich glaube, es war Manfred Stolpe, versprochen, dass ein einmal erworbener Führerschein auf ewig gültig bliebe, was auch immer die EU in ihrer übergroßen Weisheit beschließen würde.

Allein, es hat nicht sollen sein.

Was die Verkehrsbürokraten nämlich nicht so laut öffentlich sagen: Mit der einmal ausgestellten deutschen Fahrerlaubnis, wie alt sie auch sein mag, kann man tatsächlich bis an sein Lebensende fahren. In Deutschland. Im Ausland wird es spätestens dann schwierig, wenn man beim Auto-Mieten einen internationalen Führerschein vorlegen muss. Denn den stellen die Behörden für den grauen Lappen nicht mehr aus: Wird ein alter Führerschein vorgelegt, muss gleichzeitig die Umstellung des alten Führerscheines beantragt werden.

Mist.

Also hab ich’s jetzt gemacht. Den Führerschein umstellen lassen. Das kostet nicht nur ein mehrfaches der 23 D-Mark, die ich damals für das Papier bezahlt habe. Sondern dauert auch etwa zwei Monate (deshalb war, als ich das Dokument endlich bekam, die Fahrerlaubnis für Sattelschlepper und so auch schon abgelaufen).  Wahrscheinlich, weil die Kästchen hinten auf dem scheckkartengroßen Plastikding so exakt gemalt werden müssen. Dafür falle ich jetzt am Mietwagenschalter nicht mehr auf.

Ein geselliger Spaß ist jetzt  vorbei: Das Vorzeigen der Uralt-Ausweis/Pass/Führerscheinfotos im Freundeskreis. Und nie wieder werde ich den ungläubigen Satz hören: So hast Du damals ausgesehen?

(Übrigens, bitte um Entschuldigung, wenn ich jemand mit der Überschrift auf eine falsche Fährte gelockt haben sollte.)

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Thomas Wiegold
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3 Antworten zu Das Ende des Grauen

  1. quadratmeter schreibt:

    Meiner ist ja schon einer von der rosafarbenen Sorte und noch zarte 22. Das darauf befindliche Foto hat zuletzt bei einer Verkehrskontrole spontane Heiterkeitsanfälle beim kontrollierenden Polizisten ausgelöst. Im Laufe der Jahre lernt man damit umzugehen… 😉 Den alten Grauen hast du aber entwertet mit nach Hause nehmen dürfen, oder?

  2. wiegold schreibt:

    Oh ja, da wurden kleine Löcher reingelocht, die so aussehen, als hätte ich ihn ordnungsgemäß abheften wollen. Damit ist er wohl als entwertet, äh ungültig anzusehen.

  3. Gerrit Bäumer schreibt:

    Der gute alte Ennepe-Ruhr Kreis 😉

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