Rauchen, beten, Ulla Schmidt

Vor Jahrzehnten, als ich den Konfirmandenunterricht besuchte, erzählte der Pfarrer eine kleine Anekdote. Warum, weiß ich nicht mehr, auch nicht, was sie uns lehren sollte. Vielleicht ist sie mir ja deswegen im Gedächtnis geblieben (und auch, weil damals das Rauchen noch nicht so schräg angesehen wurde wie heute…):

Ein Geistlicher, starker Raucher, wollte vom Tabak auch während des Gebets nicht lassen. So bat er den Herrn um Antwort, ob er denn auch während des Betens rauchen dürfe. Die Antwort war für ihn unmissverständlich: welche Sünde, welche Schande, auch während des Gebets an seinem Genuss festhalten zu wollen!

Eines Tages traf er einen Amtsbruder, der auch stets eine brennende Zigarette im Mund hatte. Wie er es denn mit dem Rauchen während des Gebets halte, fragte der eine. Oh, das sei ganz einfach, erwiderte der Andere. Natürlich würde er auch während des Betens rauchen. Und der Herr habe seinen Segen dazu gegeben.

Das mochte der erste Pfarrer gar nicht glauben. Wie das denn zugehe? Nun, erwiderte der andere Pfarrer, das war recht einfach. Ich habe dem Herrn gesagt, mich dränge es ständig, zu beten. Sogar wenn ich rauche. Und ob er etwas dagegen habe, wenn ich beim Rauchen bete?

Fast vierzig Jahre ist es her, und wahrscheinlich habe ich das behalten, weil mir damals klar geworden ist: Nicht allein was man tut, ist entscheidend für das Urteil der Umwelt. Sondern zu einem erheblichen Teil, wie man es vermittelt.

Ach so, was das mit Ulla Schmidt zu tun hat? Nachdem ihr der Dienstwagen im Urlaub in Spanien geklaut wurde, bekam sie es ja knüppeldick um die Ohren gehauen: Einen Mercedes der S-Klasse über tausende von Kilometern an den Urlaubsort kutschieren zu lassen, um dort dann bei ein oder zwei Terminen in der Nachbarschaft mit dem Dienstwagen vorzufahren – welche Idiotie!

Ohne das jetzt und an dieser Stelle zu bewerten: Hätten die Gesundheitsministerin, ihr Staatssekretär und ihr Stab ein bisschen besser geschaltet, hätte das ja nicht sein müssen. Denn erst Tage später schob der Staatssekretär in einem Brief an den Bundestags-Haushaltsausschuss die Erklärung nach, der Dienstwagen sei ja nicht allein für die paar Ministertermine nach Spanien gefahren worden. Sondern auch, um die Ausstattung für ein Behelfsbüro der Ministerin am Urlaubsort zu transportieren. Und das wäre mit Flügen und Mietwagen noch teurer gewesen. (An der Rechnung könnte man im Detail das eine oder andere kritisch hinterfragen, aber sei’s drum.)

Wenn sich Ulla Schmidt nicht in den Kopf gesetzt hätte, beim Beten rauchen zu wollen… sondern lieber beim Rauchen zu beten? Dann hätten Ministerin und Ministerium gleich von Anfang an betont, die Ressortchefin brauche in diesen komplizierten Zeiten – Ärztehonorare, Sie wissen schon, die Schweinegrippe steht vor der Tür undsoweiter undsofort – natürlich während ihres Urlaubsaufenthalts ein Büro, über das sie auf dem Laufenden gehalten wird und zur Not energisch und unverzüglich und so ihre Regierungsgeschäfte aufnehmen kann. Und so was mobil zu halten, macht halt ein Auto erforderlich. Da bietet sich der Dienstwagen aus dem Bonner Hauptsitz des Ministeriums doch geradezu an.

Nein, alle kritischen Fragen hätte das auch nicht verhindert. Aber vielleicht ein anderes Bild vermittelt. Nun war Ulla Schmidt nie im Konfirmandenunterricht, sondern wurde katholisch erzogen. Hätte an der Stelle aber vermutlich auch nichts geändert.

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Thomas Wiegold
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